Dritter „Digital Leadership Summit“ in Köln: Vordenker und Macher nehmen mit Erfolgskonzepten aus der Praxis die Angst vor der Digitalisierung

Köln – Es war ein Raketen-Start, der wach rüttelte: „Wollen wir so alt, langsam und satt werden wie Jogis Jungs?“, fragte DLS-Gründer und Unternehmer Joachim Vranken provozierend ins Schiff der Kölner Trinitatiskirche. Und machte mit der Parallele zur Auftakt-Pleite der deutschen Nationalmannschaft klar, was nicht nur einem Fußball-Team bei der WM, sondern auch der deutschen Wirtschaft im internationalen Wettbewerb drohen kann.

„Wenn die Angst zu Flucht und Schockstarre führt, dann ist das die völlig falsche Antwort auf die Digitalisierung“, mahnte Dialego-CEO Andera Gadeib. Und ermunterte die rund 300 zuhörenden Führungskräfte, „auf Angriff“ zu gehen. Ihr Rat: „Lieber zweimal ‚Ja!‘ sagen als einmal ‚Ja, aber…‘“

Abgehängt werden, den Anschluss verlieren: Das wollte niemand beim dritten „Digital Leadership Summit“. Und so wurde es ein Tag gegen die Angst vor der Digitalisierung, bei dem die Vordenker und Macher aus Führung, Organisation und Recruitment wertvolle Tipps und innovative Konzepte geben und für die Praxis gewinnen konnten.

„Wer nur dagegen ist, wird keinen Erfolg haben“, mahnte Dr. Carsten Linz, Global Head des Center for Digital Leadership bei SAP. Und brachte zusammen, was in vielen Unternehmen noch getrennt gedacht wird: „Der CEO muss zum Digital-CEO werden!

Wissenschaftsjournalist und Bestsellerautor Ranga Yogeshwar nahm die Teilnehmer mit auf eine Reise durch viereinhalb Milliarden Jahre „Unternehmen Erde“. Und erklärte die Geschichte der Menschheit als Transformationsprozess: „Wir alle hier sind das Produkt von Disruption.“ Am einfachen Beispiel des Smartphones machte Yogeshwar deutlich, worauf sich Führungskräfte jeden Tag einstellen müssen: „Was heute neu ist, wird morgen zur Regel. Das iPhone ist gerade mal elf Jahre alt.“

„Wer ständig sagt, ‚Ich muss!‘, der ist nicht innovativ“, rief Yogeshwar zu mehr Gründergeist auf. Und mahnte - bei aller Begeisterung für die Digitalisierung - auch zur Verantwortung: „Wir brauchen eine WIR-Gesellschaft und sollten bei allen Innovationen stets fragen: für wen ist das und warum brauchen wir das?“ Denn klar ist: „Facebook, Google & Co. sind keine Wohltäter, sondern knallhartes Business.“

Wie wichtig Menschen für den digitalen Wandel sind, brachte Ursula Vranken, DLS-Mitgründerin und Geschäftsführerin des IPA - Institut für Personalentwicklung und Arbeitsorganisation auf den Punkt. Ihr Appell: „Wer aus dem Rennen um die digitale Zukunft als Gewinner hervorgehen will, muss die besten Mitarbeiter und Führungskräfte an Bord haben.“ Deshalb sei „Digital Leadership“ die zentrale Gestaltungskompetenz für die Zukunft.

Mit Eva Nöll von Europas größtem Online-Brillen-Händler „Mister Spex“ und Telekom-Manager Dr. Reza Moussavian von Europas größtem Telekommunikationskonzern gab es intensive Einblicke in die Praxis der Führung im digitalen Zeitalter. Moussavian machte dabei deutlich, wie hinderlich starre Hierarchien für den Unternehmenserfolg sind - und wie wichtig es ist, allen Mitarbeitern zumindest digitale Grundkompetenzen beizubringen. „Ich nenne das ‚Digitales Seepferdchen‘“, scherzte Moussavian.

Wie der digitale Wandel gelingen kann, berichteten Felicitas von Kyaw vom Energiekonzern Vattenfall und Stephan Grabmeier von Kienbaum Consultants International. Grabmeiers Erfahrung: „Ohne rebellisch zu sein und Strukturen aufzubrechen, geht gar nichts.“ Und: Wer wirklich etwas verändern will, eckt oft an und macht sich nicht immer beliebt. Doch am Ende waren sich beide einig: „Das Ergebnis lohnt sich und ist für den Erfolg des Unternehmens alternativlos.“

Mit der Vorstellung neuer Konzepte im HR-Management ging der dritte „Digital Leadership Summit“ in den Nachmittag. Dr. Anastasia Hermann, Head of Research bei StepStone Deutschland erläuterte die fünf Säulen des Recruitings. Joachim Skura von Oracle referierte über die „verwirrende Datenvielfalt“ für Personaler. Und Henner Knabenreich, Influencer von „Personalmarketing2Null.de“ stellte den Führungskräften die Frage: „Übernehmen Chatbots und Sprachassistenten die Bewerberansprache?“

Mit einer ausführlichen Diskussion und ausreichend Gelegenheit zum Networking endete der fast neunstündige DLS in der Kölner Trinitatiskirche, der sich in den drei Jahren seines Bestehens zur Leitveranstaltung für digitale Führung in Deutschland entwickelt hat - und von Unternehmen wie der Telekom sowie der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln unterstützt wird.